Mode-Marketing arbeitet besonders intensiv mit „nachhaltiger Mode", „Conscious Collection" und Material-Claims — und ist damit besonders abmahn-anfällig.
Die Mode- und Textil-Branche steht seit Jahren im Fokus von Verbraucherzentralen und der EU-Sweep-Aktion 2023. Typische Greenwashing-Muster: ganze Kollektionen werden als „Conscious", „Eco" oder „Sustainable Collection" beworben, ohne dass die einzelnen Stücke der Aussage standhalten; Material-Anteile werden grob aufgerundet („überwiegend recyceltes Material"); Lieferketten-Claims werden ohne nachvollziehbare Dokumentation gemacht.
Diese Checkliste fokussiert auf Mode-typische Stellen: Produktbeschreibungen, Material-Composition-Angaben, Collection-Launches („Conscious Collection 2026"), Lieferketten-Statements und Social-Media-Marketing. Plane einen Arbeitstag für die Prüfung eines mittelständischen Mode-Shops; Marken mit eigenem Produktionsbereich sollten zusätzlich die Produktions-Statements im Detail prüfen.
Eine Kollektion mit „Conscious"-Branding ist eine Aussage über alle Stücke der Kollektion. Anhang I Nr. 4a verlangt, dass jede einzelne Aussage belegbar ist — bei einer Kollektion also jedes Stück. Ein einziges „normales" Stück in der Conscious Collection macht die ganze Kollektions-Aussage irreführend.
Angaben wie „aus recyceltem Polyester" sind nur zulässig, wenn der Anteil konkret beziffert und drittgeprüft ist. „Aus überwiegend recyceltem Material" ohne Prozentangabe ist nach Anhang I Nr. 4a unzulässig.
Bio-Baumwoll-Claims sind nur mit GOTS- oder OCS-Zertifikat haltbar. Selbst-erklärte „natürliche Baumwolle" ohne Drittprüfung ist nach Anhang I Nr. 4a kritisch — und nach Anhang I Nr. 2a, wenn ein selbst entworfenes Siegel mitläuft.
Lieferketten-Claims sind ohne unabhängige Zertifizierung (Fair Wear Foundation, SA8000, FAIRTRADE) selten haltbar. „Produktion in Europa" allein ist zulässig (geographische Aussage), „faire Produktion" ohne Beleg ist es nicht.
Eigene Sustainability-Reports sind PR-Materialien. Wenn du in der Produktbeschreibung mit „siehe Sustainability-Report" auf einen selbst erstellten Report verweist, ist das kein Beleg im Sinne der EmpCo-Richtlinie — Anhang I Nr. 4a verlangt eine externe Validierung.
Influencer:in stellt deine Marke als „nachhaltig" dar — die Aussage wird dir zugerechnet, wenn das Briefing das nahegelegt hat. Achte auf Influencer-Briefing-Vorlagen, in denen Nachhaltigkeits-Sprache vorgegeben ist.
„Plastikfrei" ist eine konkrete, prüfbare Aussage und i.d.R. zulässig — solange tatsächlich kein Plastik enthalten ist. Aber: Anhang I Nr. 4b verbietet, eine Verpackungs-Aussage auf das Gesamtprodukt zu übertragen. „Plastikfreies Produkt" ist nur zulässig, wenn auch das Kleidungsstück selbst kein Plastik (Polyester etc.) enthält.
Manche Marken setzen auf Care-Labels Claims wie „ressourcenschonend waschen" — das ist eher harmlos, weil es eine Verhaltens-Empfehlung ist, keine Produkt-Aussage. Achte aber darauf, dass die Verhaltens-Empfehlung keine implizite Produkt-Aussage enthält („wegen unseres ressourcenschonenden Materials").
„Arbeiten bei einem nachhaltigen Mode-Unternehmen" ist eine Aussage über das Unternehmen. Wenn das Unternehmen keine EMAS- oder ISO-14001-Zertifizierung hat, ist die Aussage ohne Beleg-Grundlage. Karriere-Seiten werden bei Compliance-Audits oft vergessen.
Alte Pressemeldungen mit Nachhaltigkeits-Claims sind ab dem 27.09.2026 genauso bindend wie aktueller Content — sie sind weiter abrufbar und gelten als laufende geschäftliche Handlung. Archiviere problematische Meldungen oder ergänze sie mit Datumshinweis und Korrektur.
Europäische Kommission, Pressemitteilung IP/21/269 vom 28.01.2021
Im EU-weiten CPC-Sweep von 344 Umweltaussagen waren 42 % übertrieben, falsch oder irreführend; Textilien/Bekleidung/Schuhe waren die am häufigsten geprüfte Branche und überdurchschnittlich auffällig.
§ 5 UWG; EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825), Anhang I Nr. 2a
Marketing-Grafiken in Siegel-Optik ohne dahinterstehendes Zertifizierungssystem sind nach UWG §5 irreführend; die EmpCo-Richtlinie verschärft dies durch Anhang I Nr. 2a auf ein Per-se-Verbot.
Mode-Marken haben den größten Hebel bei Kollektionsnamen und Material-Composition-Angaben — wer hier konkret formuliert (Prozentangabe + Zertifikat) statt vage („nachhaltig"), reduziert den Großteil des Abmahn-Risikos. Die quartalsweise Routine ist besonders im Mode-Geschäft wichtig, weil neue Kollektionen häufig neue Claims mitbringen.
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