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Greenwashing prüfen
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Branchen-Selbst-Audit · E-Commerce

Greenwashing-Selbst-Audit für E-Commerce-Shops

Die typischen Greenwashing-Fallen im Online-Handel: „klimaneutraler Versand", Eigen-Siegel im Produktfilter und CO2-Kompensation als Produktmerkmal.

E-Commerce-Shops sind besonders exponiert, weil sie üblicherweise mehrere hundert bis mehrere tausend Produktseiten betreiben — jede einzelne ein potenzieller Abmahn-Tatbestand, wenn die Marketing-Sprache unsauber ist. Hinzu kommt, dass im Online-Handel der Versand selbst regelmäßig mit Umwelt-Claims beworben wird („klimaneutraler Versand", „grüner Versand"), die nach der BGH-Rechtsprechung extrem kritisch sind.

Diese Checkliste konzentriert sich auf die im E-Commerce typischen Stellen: Produktseiten, Kategorie-Filter („nachhaltige Produkte"), Checkout („klimaneutraler Versand"), Footer/AGB-Claims und Marketing-Pop-ups. Plane für einen mittelständischen Shop mit 500 SKUs ca. einen Arbeitstag für die Prüfung — wer den Aufwand spart, riskiert eine kostspielige Abmahn-Welle nach dem 27.09.2026.

Die 10-Punkte-Checkliste

  1. Versand-Claim auf der Produkt- und Checkout-Seite

    „Klimaneutraler Versand" ist nach BGH I ZR 98/23 nur zulässig, wenn klar erläutert wird, ob die Klimaneutralität durch Emissionsvermeidung oder Kompensation erreicht wird. Reine Kompensation als Produktmerkmal ist nach Anhang I Nr. 4c UGP-RL n.F. zusätzlich verboten.

  2. Kategorie-Filter „nachhaltige Produkte" / „grüne Produkte"

    Ein Filter, der Produkte als „nachhaltig" klassifiziert, ist eine Sammel-Aussage über alle Produkte im Filter. Jede einzelne Produktseite muss die Aussage tragen können — sonst ist der Filter eine pauschale Greenwashing-Aussage nach Anhang I Nr. 4a.

  3. Eigene „Nachhaltigkeits-Badges" auf Produktbildern

    Badges wie „Eco-Label" oder „Grün-Empfehlung", die der Shop selbst vergibt, fallen unter Anhang I Nr. 2a — Nachhaltigkeitssiegel ohne Zertifizierungssystem sind per se verboten. Ersetzen durch konkrete Eigenschafts-Angabe („80 % Recycling-PET").

  4. Produktbeschreibungen mit „nachhaltig produziert"

    Generische Aussagen über die Produktion sind ohne Belegfähigkeit kritisch. Ersetzen durch konkrete Eigenschaft („produziert in ISO-14001-zertifizierter Anlage") oder streichen.

  5. Verpackungs-Claims („recyclebare Verpackung")

    Anhang I Nr. 4b verbietet die Übertragung von Aspekt-Aussagen aufs Gesamtprodukt. „Recyclebare Verpackung" ist zulässig, „nachhaltiges Produkt" wegen recyclebarer Verpackung dagegen nicht.

  6. Future-Tense-Claims („wir werden klimaneutral bis 2030")

    Anhang I Nr. 4 verlangt für zukunftsgerichtete Umweltziele klare, überprüfbare Verpflichtungen und einen Umsetzungsplan. Vage Absichtserklärungen sind ohne Plan + Meilensteine + Zwischenberichten unzulässig.

  7. Marketing-Pop-ups und Newsletter-Banner

    Pop-ups („Wir sind klimaneutral seit 2024") werden von Marketing-Teams oft schnell live gestellt, ohne Compliance-Review. Liste alle Pop-up-Templates auf und gleiche sie gegen Schritt 2 deiner Hauptprüfung ab.

  8. About-Page mit Unternehmens-Claim

    Die „Über uns"-Seite ist die meistgelesene Inhaltsseite eines Shops nach der Startseite. Achte auf Aussagen wie „Wir verfolgen einen nachhaltigen Ansatz" — sie sind ohne nachvollziehbares Konzept (z.B. EMAS-Zertifizierung) kritisch.

  9. Affiliate-/Influencer-Texte

    Texte, die du Influencer:innen oder Affiliates zur Verfügung stellst, werden dir zugerechnet. Wenn die Influencer:in mit deinem vorformulierten Text wirbt, haftest du mit. Liste alle Affiliate-Briefings/Vorlagen auf und prüfe sie wie eigene Marketing-Texte.

  10. Schema.org-Markup auf Produktseiten

    Manche Shops setzen „ecoFriendly: true" in Produkt-Schema-Daten. Das ist eine maschinell-lesbare Umweltaussage und unterliegt denselben Anforderungen wie ein menschen-lesbarer Claim — nur drittgeprüft + belegbar einsetzen.

Fallbeispiele aus aktuellen Urteilen

Wer im E-Commerce die 10 Punkte oben systematisch abarbeitet, hat den Großteil des Greenwashing-Abmahn-Risikos beseitigt. Plane den Re-Scan in 90 Tagen — vor allem nach Kampagnen-Launches oder Sortimentswechseln. Wer den Aufwand outsourcen will, findet auf empcora.de ein automatisiertes Scan-Tool, das die Prüfung pro URL automatisiert.

Weiter lesen: Allgemeine 7-Schritt-Anleitung · Leitfaden auf empcora.de

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